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Rente muss reichen – für ein gutes Leben!

Brennpunktthema Rente

Rente muss reichen – für ein gutes Leben!

Gute Löhne - Gute Rente ver.di Gute Löhne - Gute Rente

Die gesetzliche Rente - Wie funktioniert sie und warum?

  • Was sind die „Säulen der Rente“?
  • Was sind „Entgeltpunkte“ und welche Bedeutung hat der „aktuelle Rentenwert“?
  • Wer bekommt wie viel und warum immer weniger?
  • Wer ist dieser ominöse „Eckrentner“ und gibt es auch eine „Eckrentnerin“?
  • Warum bekommen Frauen soviel weniger Rente als Männer und was hat es eigentlich mit dieser „Mütterrente“ auf sich?

Fragen über Fragen, zu deren Beantwortung ver.di-Bielefeld/Paderborn zu einem gut besuchten Informations- und Diskussionsabend am 20. Juni ins Bildungszentrum „Das Bunte Haus“ eingeladen hatte. Veronika Schmidt-Lentzen und Holger Raschke moderierten.

Mit dem ver.di-Rentenquiz überprüften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer spielerisch ihr Wissen zur gesetzlichen Rentenversicherung; der Sketch „Vera & Dirk“ verdeutlichte die gravierenden Rentenunterschiede zwischen Männern und Frauen. Absicht, Sinn und Unsinn der privaten Altersvorsorge, der sogenannten  „Riester-Rente“, konnte mit humorvoller Hilfe des Kabarettisten Piet Klocke ansatzweise geklärt werden.

Der ver.di-Rentenrechner schließlich zeigte die ernüchternde Wahrheit. Am Ende des lebhaften Abends waren sich deshalb alle einig:

  • Die gebetsmühlenartig wiederholten Argumente aus Politik, von Arbeitgebern und  Versicherungswirtschaft zur angeblichen Unbezahlbarkeit der gesetzlichen Rente aufgrund des demografischen Wandels sind falsch und gleichen schon einer Gehirnwäsche!
  • Das Rentenniveau muss – und kann – wieder angehoben werden bis zu einem Niveau, das allen Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern eine gesicherte, auskömmliche Rente garantiert. Unsere österreichischen Nachbarn sind ein gutes Beispiel. 
  • Diejenigen – Geringverdiener/innen, Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen und weibliche Beschäftigte in den „Frauenberufen“ – die private Vorsorge am nötigsten haben, können sie sich nicht leisten, weil am Ende des Geldes immer noch soviel Monat übrig ist.
  • Deswegen gehört die Riester-Rente abgeschafft und die staatlichen Zulagen (jährlich ca. 3,7 Mrd. €), die über Steuern von uns allen gezahlt werden, sollten in die Rentenkasse einfließen.
  • Alle sollen in die Rentenkasse einzahlen. Keine gesonderten Versorgungswerke mehr für „bessergestellte“ Beschäftigtengruppen.
  • Die Beitragsbemessungsgrenze gehört abgeschafft. Wer viel verdient und andere regelmäßige Einnahmen hat, soll auch viel in die Rentenkasse einzahlen.
  • Die Höhe der Rentenzahlung soll allerdings begrenzt werden auf ein Niveau, welches sehr deutlich über der heutigen Grundsicherung liegt.
  • Gute Arbeit muss auch gut bezahlt werden! Auch der Mindestlohn muss gravierend erhöht werden, um damit höhere Beiträge in die Rentenkasse zu ermöglichen.
  • Frauen müssen endlich, endlich für gleiche bzw. gleichwertige Arbeit den gleichen Lohn/das gleiche Gehalt wie ihre männlichen Kollegen erhalten. Die Lohn-Un-Gleichheit von immer noch durchschnittlich 21% muss ein Ende haben.

Darüberhinaus kann jede und jeder dafür Sorge tragen – wenn auch begrenzt –, das eigene Beitragskonto möglichst zu stärken. Zum Beispiel:

  • Nach Möglichkeit in Vollzeit arbeiten;
  • auch bei den prekären 450 €-Jobs auf eigene Rentenbeiträge achten, um zumindest Anrechnungszeiten zu erwerben;
  • Regelmäßig das eigene Rentenkonto überprüfen, z.B. ob Kindererziehungszeiten, Pflegezeiten, Ausbildungszeiten korrekt erfasst und berechnet sind.  Gewerkschaftlicher Rentenberater/innen helfen gern und können viele Tipps geben.  

Die Rentenkampagne der Gewerkschaftten zur Stärkung und zur grundlegenden Reform der gesetzlichen Rente wird von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern positiv und als schon längst fällig beurteilt. Sie kann und wird nicht mit der Bundestagswahl im September dieses Jahres enden. Für den Umbau unseres gesetzlichen Rentensystems hin zu einer lebensstandardsichernden Altersvorsorge ist Solidarität, Durchhaltevermögen und ein langer Atem gefragt. Eine Teilnehmerin brachte es abschließend auf den Punkt: Der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt!

Weitere Infos und nützliche Links:

Zusätzliche Materialien und ausführliche Informationen von ver.di

Mit dem ver.di Rentenrechner könnt ihr eure spätere Rente – wenn alles so bleibt wie es ist – etwas genauer ausrechnen.

Zu Eröffnung der Rentenkampagne am 06.September 2016 hat sich ein „Frauen-Bündnis gegen Altersarmut“ gegründet. Die Erklärung ist hier zum Download bereit gestellt.

Die DGB-Frauenkonferenz Ostwestfalen-Lippe hat im 24.09.2016 einstimmig die Resolution „Altersarmut von Frauen ein Ende setzen – Kurswechsel in der Rentenpolitik“ verabschiedet. Den vollständigen Text gibt es hier ebenfalls zum Download.

Die Online-Petition des DGB kann aufgerufen und unterzeichnet werden.

Eure jetzigen und zukünftigen Abgeordneten im Deutschen Bundestag könnt Ihr hochnotpeinlich auch zum Thema Rente befragen. Im Wahlkreis "Bielefeld-Gütersloh II" z.B. gehören Britta Haßelmann (Grüne, kandidiert wieder) und Lena Strothmann (CDU, kandidiert nicht mehr) dem Bundestag an. Für die SPD will Wiebke Esdar, für die Linken Friedrich Straetmanns, für die CDU Michael Weber und für die FDP Jasmin Wahl-Schwentker direkt in den Bundestag einziehen. Fragt einfach nach, was sie zur Stärkung der gesetzlichen Rente beitragen werden.

Last but not least: Piet Klocke, Volker Pispers, Claus Wagner, Max Uthoff („Die Anstalt“)  - und andere politische Kabarettisten und Kabarettistinnen haben sich zum Thema "Rente" geäußert und sind über www.Youtube.com zu jeder Tages- und Nachtzeit abrufbar. Damit auch das Lachen, das uns so oft im Halse stecken bleibt, nicht zu kurz kommt.

Der Teamenden Arbeitskreis bei uns im Bezirk hat sich 2014 etabliert und zur Aufgabe gemacht, lokale Bildungsangebote zu entwickeln und anzubieten. Nach dem Motto aus der Region für die Region.